
28.04.26 –
Jedes Frühjahr dieses Geschrei! Dann nisten Kolonien von Saatkrähen in hohen Bäumen wie Platanen oder Pappeln. Wer gesellig ist, hat nun mal viel zu schwätzen. Die Saatkrähe gilt als „ruffreudig“. Besonders häufig zu hören ist das heisere, leicht genervt klingende „Kaaah“ oder „Kraaaah“ , auch gern „Gäh“. Überhaupt ist der Vogel kontaktfreudig: Man begrüßt sich mit Verbeugungen, spielt miteinander Schaukeln auf Zweigen.
Anwohnende sind oft genervt. Aber nach etwa zwei Monaten ist alles vorbei: Die Jungen sind flügge, die Vögel verteilen sich in der Gegend. Nur abends kommen sie noch zusammen, natürlich mit viel Hallo, auf sogenannten Schlafbäumen. Ein bisschen so wie auf Klassenfahrt abends in der Jugendherberge. Vielleicht steigt die Sympathie für diese Vögel, wenn man weiß, dass sie Langzeitehen eingehen? Das schaffen ja nicht mal Schimpansen (und das sind immerhin Menschenaffen).
Machen die auch Schäden in der Landwirtschaft? Ja, aber wohl nicht so viele, wie man denkt, wenn man die Vögel auf einem Acker rumlaufen sieht. Saatkrähen fressen nämlich am liebsten Wirbellose wie Schnecken, Käferlarven, Würmer – nach denen suchen sie auch auf Äckern, nehmen dabei aber auch Saatkörner oder sogar Keimlinge mit. Mittlerweile werden Maiskörner oft gebeizt zum Beispiel mit einer Chili-Eukalyptus-Mischung, das schmeckt den Krähen dann bäh.
Auf den ersten Blick sehen alle Rabenvögel gleich aus, aber auf den zweiten Blick können auch Laien die Saatkrähe von der Rabenkrähe unterscheiden: Die Saatkrähe hat einen unbefiederten Schnabelansatz, man sieht da eine graue Hautpartie. Bei der Rabenkrähe dagegen wachsen Federchen bis zum Ansatz des Schnabels.
Sieht man im Winter riesige Gruppen auf einem ihrer „Schlafbäume“ sitzen, sind das Überwinterungsgäste aus dem Osten und Norden Europas. „Auf keinen Fall entsprechen die hohen Zahlen am Schlafplatz dem örtlichen Bestand“, sagt der Naturschutzbund NABU. Im Winterhalbjahr treffen sich viele Rabenvogelarten aus einem großen Einzugsgebiet zum gemeinsamen Übernachten an Massenschlafplätzen. Das hat nämlich Vorteile: Die Vögel sind sicherer, sie erfahren von guten Nahrungsplätzen und können Partner finden.

Eine Saatkrähe am städtischen Futterplatz
Aber warum sind die überhaupt in Wohngebieten? Weil es auf Großparkplätzen oder bei Schulen reichlich Essensreste zu finden gibt. Und in gemähten Grünanlagen stochern die Krähen im Boden nach Kleinlebewesen.
Mittlerweile weiß man, was nicht hilft gegen die Kolonien. Zum Beispiel das Stören der Brütenden – dann verlängert sich das Brutgeschäft nur. Ebenfalls kontraproduktiv: einen Baum mit Nestern abzusägen. Dann teilt sich die Kolonie, besiedelt einen weiteren Standort – und dort kommen dann auch die Junggesellen und Junggesellinnen, die in diesem Jahr keinen Nistplatz gefunden hatten, zum Zuge. Auch Jagen bringt nichts. Die Saatkrähen lernen daraus und siedeln sich dann immer häufiger innerhalb von Ortschaften an, da dort nicht geschossen werden darf.
Hilfreicher dagegen: keine offenen Anlagen von Biomüll und Kompost. Mehr Bäume in der freien Landschaft. Und Gelassenheit.
Kategorie
Frauen leisten den überwiegenden Teil unbezahlter Sorgearbeit in Deutschland. Die von der Bundesregierung geplanten Kürzungen des [...]
IDAHOBIT* (Internationaler Tag gegen Homophobie, Biphobie und Transphobie). Die Rechte queerer Menschen geraten weltweit immer stärker unter [...]
Die Bundesregierung hat mit dem heutigen Gesetzentwurf für ein Gebäudemodernisierungsgesetz ein Comeback für fossil betriebene Heizungen [...]